Der diesjährige  Qubica-AMF-WorldCup  startete heute mit dem üblichen medialen Getöse – schließlich wird hier Werbung für UNSEREN Sport gemacht. Dies gilt beim WorldCup ebenso wie vor wenigen Wochen bei der Promotion-Tour Richtung olympisches Bowling, bei der Jaqui WITURA in 4 französischen Städten am Start war und eine Top-Leistung brachte. Beim WorldCup ist es nicht anders und viele Nationen sehen darin eine hohe Wertigkeit – z.B. gab es Teilnehmer bzw. Sieger wie Osku Palermaa, Chris Barnes und viele andere Top-Athleten.
Hier für alle Interessierten ein kurzer historischer Abriss:
Für Österreich besteht der „Nachteil“, dass der Bewerb nicht von WorldBowling sondern von einer privaten Firma veranstaltet wird – womit er also auch nicht förderungsfähig ist. Das war auch die letzten Jahrzehnte schon so, wobei über viele Jahre die Starter mit einem Qualifikationsturnier in Salzburg ermittelt wurden. Aus dem Erlös erhielten die Sieger der Damen- bzw. Herrenwertung die finanzielle Unterstützung zur Teilnahme am WorldCup. Das hörte sich mit sinkender Teilnehmerzahl auf, denn der Veranstalter wollte verständlicherweise nicht privates Geld draufzahlen. So hatte die Qualifikation Pause, es gab nur in seltenen Fällen interessierte Teilnehmer auf eigenen Rechnung.
PLUS-Bowling hat vor Jahren überlegt, die Nachfolge von Salzburg als Austragungsort einer Qualifikation anzutreten. Da waren die europäischen Vertreter von QubicaAMF allerdings  strikt dagegen – denn das Score-System der Plus ist zwar von Qubica, aber die Bahnen nicht von der AmericanMachineFactory. Die Verhandlungen scheiterten, ebenso zufolge Teilnahmerisiko der Versuch mit Austragung in Wörgl. So nahmen in den Folgejahren nur vereinzelt Starter aus Österreich auf eigenen Kosten teil – Nominierung natürlich immer ausschließlich über den ÖSKB, da der Veranstalter Nennungen ausschließlich vom nationalen Fachverband akzeptiert.
2018 gibt es also eine junge Spielerin, die dort hin will und es als sportlich herausfordernden und weiterbildenden Teil eines Urlaubs sieht – um ihr eigenes Geld – und soweit erkennbar, stört das in Österreich auch niemanden. Spannenderweise aber scheint es – warum auch immer  – manche zu stören, dass ein junger Sportler aus einem Bundesland ebenfalls teilnimmt. Im Gesichtsbuch und auf sonstigen Kanälen geistern teilweise skurrile Wortsammlungen herum. Auch dieser Spieler bezahlt sich alles selbst und das ist selbstverständlich ausschließlich seine Angelegenheit.
Vor 3 Tagen wurde ich erst wieder gefragt, „wieso der“ und „wie geht das“ etc. – auch von einem guten Spieler. Ich habe die Sache wie obenstehend erklärt. Darüber hinaus habe ich einem guten Spieler angeboten, ihn für 2010 als Starter vorzumerken – falls er will – aber das will er gar nicht, es ging ihm scheinbar nur um die Information.
Fakt: wo auf diesem Globus auch immer der WorldCup stattfindet – Hongkong, Melbourne, Caracas, Sibirien, Timbuktu oder in Deutschland – die Teilnahme ist selbst zu bezahlen! Die Anmeldung übernimmt – das geht vom Veranstalter aus nicht anders – der ÖSKB. Gibt es mehrere interessierte Selbstzahler (Ligaspieler, ÖSKB-gemeldet), wird man – in welcher Form auch immer – eine Auswahl treffen müssen, denn diesen Fall gab es bisher noch nie.
Seien wir stolz darauf, dass sich 2 junge Österreicher das „antun“ – denn wofür sie ihr Geld auszugeben bereit sind, ist ihre Sache. Manche versaufen es am Ballermann oder verzocken es oder was auch immer (1 Jahr nicht zu rauchen wäre es auch schon). Vernünftige planen beispielsweise einen  Urlaub und verbinden das mit einer sportlichen Herausforderung – für Bowler ist das überraschenderweise eben Bowling. Dass Michael nicht im Spitzenfeld landen wird, ist ihm ohnehin selbst klar. Das Erlebnis, mit absoluten Spitzenspielern auf der Bahn zu stehen, ist aber priceless – und lernen für die sportliche Weiterentwicklung ist auch gegeben. Tamara wird sich natürlich deutlich besser schlagen – sie hat trotz ihrer Jugend schon einige internationale Erfahrung, hat EYC+ECC-Teilnahmen, 4 EM-Medaillen – und hat mit 16 bereits Medaillen bei einem internationalen Jugendturnier in den USA geholt – dazu Head to Head-Duelle gegen Spitzenspielerinnen bestanden.
Sehen wir es fair und sportlich. Negative Kommentare oder Neiddebatten gibt es nicht! Und wenn es sie doch geben sollte – es gibt sie nicht! Wir halten den Tamara & Michael alle freien Daumen und wünschen ihnen eine gesunde Rückkehr nach bestmöglicher sportlicher Erfahrung!


Anton Schön

Jahrgang 1951, Bowling begonnen 1973 in der Stadthalle, vereinsmäßig ab 1973 beim BC West, seit 1984 beim 1,ÖBC