Es ist immer schwer, über seine eigene Frau einen Bericht zu schreiben, weil sieht man das alles objektiv? Aber ich versuche es …
Ivo hat im Sommer viel an ihrem Spiel umgestellt und wir waren sehr gespannt, wie sich das auswirken wird. Der Anfang war gut, fast ein bisschen zu hart Richtung „high flush“, weil das auf der Bahn mit dem teilweise recht einfachen Pinfall gar nicht notwendig wäre. Dementsprechend waren ein paar Bälle zu hoch und das Score war mit 195 aus meiner Sicht unter dem Wert bzw. unter den Möglichkeiten.
Das 2. Spiel war den von der Bewegung her durchwachsen, sie spürte die Schulter nicht und im Großen und Ganzen waren die Bälle entweder reingedrückt oder rausverlegt.
Das 3. Spiel brachte erstmals Erleichterung, da etwas besser gespielt und dann auch ein vernünftiges Score bekommen.
Spiel 4 – und das sieht man dann halt nur, wenn man vor Ort ist, war in Wirklichkeit nicht anders gespielt als Spiel 3. Die Transition schreitet voran, manchmal muss man halt antizipieren. Erste Ball Babysplit, dann Strike, dann 9er in der Gasse, dann Greek Church. Hinten raus Ballwechsel und 4/9 am 10er Frame. 154, ohne dass man viel falsch gemacht hat.
5, 6 und 7 waren ähnlich wie Spiel 2 und 3 – die Bewegung war nicht so rund wie an manch guten Tagen, die ich zuletzt schon von ihr gesehen habe.
Spiel 8 dann der Griff auf den Ball, den sie in und auswendig kennt (Rising), den sie aber nicht spielen konnte, da sie, warum auch immer, nicht sauber raus kam. Und plötzlich passte er doch … 225 hinten raus.
Es hätte oft Möglichkeiten gegeben, sich hängen zu lassen, weil sie sich sicher innerlich mehr vorgenommen hatte (könnte ich mir vorstellen), aber sie hat eine Top Einstellung gehabt gestern.
Und die Spareleistung war exzellent – einmal weggerutscht auf den 10er. Einmal 2/4/8 nicht geräumt. Alles andere perfekt und sicher weggespielt.
Also ganz ehrlich: wenn sie mit dem Rising spielen kann heute, dann sind auch 1750 plus keine Utopie. Und das sage ich nicht, weil sie meine geliebte Frau ist, sondern weil die gefragte Linie an sich wie bestellt ist. Findet sie ihr Gefühl heute, dann rumst es 🙂
Halten wir ihr also die Daumen
Danach ist Benjamin zu seinem ersten Durchgang angetreten. Er war im Vorfeld sehr nervös und da ich ihn ja bekanntlich schon lange und auch ganz gut kenne, hab ich versucht, ihm im Vorfeld „Denk groß – es gibt keinen Grund, warum du hier nicht gut und hoch werfen kannst“ mitzugeben.
Er tendiert ja ein bisschen dazu, sich mit Teilerfolgen zufrieden zu geben, aber damit ist man bei einem derartigen Bewerb nicht gut beraten.
Hat ja auch gut geklappt – 2 Würfe lang 🙂 2 Granaten am Anfang und dann auf der rechten Bahn nur mehr hoch und wirklich unspielbare Stellungen.
Auch 2-hander sind nicht davor gefeit, dann passiv zu werden und so schnell konnten wir gar nicht schauen, waren 2 Spiele um und das Score war destraströs. Als Betreuer leidest du da einfach nur mit, weil er dir leid tut.
Jede Anpassung geht in die Hose, wird höchstbestraft etc.
Kennen wir alle – ist auch beim ECC so, gibt hier keine Sonderbehandlung des Bowlinggottes.
Ab dem 3. Spiel muss man aber sagen: Hut ab mein junger Freund. Herz in die Hose genommen und Wurf für Wurf gekämpft.
Mit steigendem Erfolg wurde er sicherer (no na) und hat endlich Zahlen jenseits der 200 geworfen.
Spiel 5 war dann ähnlich wie bei Ivo der Transition geschuldet und einfach dem Umstand, dass er zu Hause ein derartiges Feld nicht kennt und daher mit den Spuren nicht konfrontiert wird. Hier sind einige Highrev Player auf seiner Seite unterwegs und man mag es kaum glauben, aber ein Linkshänder musste auf der Bahn Anpassungen vornehmen 🙂
Wir haben es dann mit viel Überredungskunst geschafft, dass er endlich tiefer geht und in die Spuren spielt – ta ta – ca. 750 die letzten 3 inklusive 289.
Auch bei ihm gilt: findet er seinen Rhythmus, dann sind 1800 aufwärts keine Utopie. Er kann in jeder Phase der 8 Spiele Strikeserien spielen, da helfen ihm seine 2 Hände jetzt schon sehr.
Am Anfang werden wir, ebenfalls wie bei Ivo, versuchen, die Gasse nicht so hart anzuspielen, weil das auch gar nicht notwendig ist.
Und findet er sein Selbstvertrauen wieder, dann rumst es auch bei ihm – und wie.
Auch bei ihm muss ich sagen: tolle Einstellung, viele hätten wahrscheinlich nach Spiel 5 den Tag in Demut abgeschrieben und sich dem Schicksal ergeben – er nicht, er hat die Farben unseres Landes sehr würdig vertreten und hinten raus seinen verdienten Lohn erhalten.
Wenn wir morgen einen Weg finden, dass er auch um 9 h schon „munter“ ist, dann wird das eine tolle Serie werden, da bin ich sicher.
Jedenfalls bin ich bisher sehr stolz, dass ich die Beiden betreuen darf. Sie machen es uns hinten sehr leicht, da sie sich in keiner Phase aufgeben und Ratschläge aufgeschlossen annehmen.
Daher einmal mein Dank an Ivonne Gross und Benjamin Kubalek für euer Verhalten und viel Glück für den jeweils kommenden Block.
Leider verlässt uns Thomas morgen früh schon, aber wir werden versuchen, auch ihn stolz zu machen.
Bis bald
Euer Thomas


Anton R. Schön

Jahrgang 1951, Bowling begonnen 1973 in der Stadthalle, vereinsmäßig ab 1973 beim BC West, seit 1984 beim 1.ÖBC